Starke Unternehmen kaufen besser Studie: Positiver Zusammenhang zwischen M&A-Performance und Unternehmenserfolg

Frankfurt, 28.04.05. Unternehmen mit hoher Profitabilität und starker Marktposition zahlen bei Zukäufen im Ausland geringere Preise und haben bessere Erfolgsaussichten. Schwächere Unternehmen müssen oftmals akquirieren, um ihre Unabhängigkeit oder gar ihre Existenz zu sichern. Das zeigt eine aktuelle Studie von FINANCE Research, 3i, KPMG und Linklaters Oppenhoff & Rädler.

Die europäischen Märkte wachsen immer enger zusammen. Die günstigen Lohnstückkosten in Mittel- und Osteuropa zwingen auch deutsche mittelständische Unternehmen dazu, in dieser Region Fuß zu fassen. Gleichzeitig müssen sie ihre Dienstleistungen und Produkte tief in den reifen Volkswirtschaften Westeuropas verankern, um ihre international agierenden Kunden besser bedienen zu können und sich Größenvorteile zu verschaffen. Viele Unternehmen beschleunigen ihr Fortkommen auf diesem Weg durch externe Zukäufe. Die in den letzten Jahren immer wieder zu lesenden Studien über die wertvernichtenden Wirkungen von M&A greifen dabei zu kurz.

Eine aktuelle Studie von KPMG, Linklaters Oppenhoff & Rädler und der Beteiligungsgesellschaft 3i gemeinsam mit FINANCE-Research ist der Frage nachgegangen, welche strategischen Motive den Akquisitionsentscheidungen deutscher Mittelständler zugrunde liegen, und wie die Unternehmer ihre Strategien umsetzen. Die befragten Unternehmer haben tiefe Einblicke in ihre strategischen Planungen und ihre Vorgehensweisen gegeben, aber auch Bilanz gezogen und Fehlentscheidungen oder Missgriffe offen angesprochen.

FINANCE-Research hat für die Studie knapp 70 mittelständische deutsche Unternehmen ermittelt, die ihrerseits in den letzten Jahren intensiv im Ausland zugekauft haben. Insgesamt wurden 22 ausführliche Tiefeninterviews mit Vorständen und M&A-Verantwortlichen von Unternehmen aus diesem Sample geführt. Darunter waren so bekannte Namen wie AWD, Bechtle, Henkell & Söhnlein, IDS Scheer, Singulus Technologies, Techem oder Vaillant.

Strategische Motive wiegen stärker als die Verbesserung der Finanzkennzahlen
Einzelne Ergebnisse der Studie waren überraschend. Die Frage, ob Zukäufe Wert schaffen oder eher vernichten, war für die meisten Befragten zweitrangig. Die Unternehmen räumten der kurz- und mittelfristigen Verbesserung ihrer Finanzkennzahlen eine deutlich geringere Priorität ein als der Verfolgung langfristiger strategischer Ziele. Dementsprechend finden bei der Preisfindung methodische Ansätze wie beispielsweise systematische Wert-Steuerungssysteme auch nur wenig Beachtung. Häufige Motivation für Zukäufe war neben der Erweiterung des Kundenstamms und der Umsatzbasis vor allem auch die gezielte Schließung von Lücken in der Produktpalette oder dem F&E. Darüber hinaus wollte etwa jeder vierte Unternehmer (23 Prozent) aktiv den Markt konsolidieren beziehungsweise Wettbewerber an einer Verbesserung ihrer Marktposition hindern.Rund zwei von drei Befragten (62 Prozent) konnten Kosten- und jeder Dritte (33 Prozent) konnte Umsatzsynergien realisieren.

Jeder fünfte ohne Zukäufe in seiner Existenz gefährdet
27 Prozent der Teilnehmer sagen rückblickend, dass sie für die Übernahmen zuviel Geld bezahlt haben. Gut 30 Prozent würden ohne M&A heute weniger Dynamik aufweisen, ebenso viele hätten eine schwächere Wettbewerbsposition. Jeder fünfte Unternehmer glaubt sogar, dass sein Unternehmen ohne Akquisitionen heute in seiner Existenz gefährdet wäre.

Auffallend war, dass kein einziges "starkes" Unternehmen (mit hoher Profitabilität und starker Marktposition) glaubt, zuviel bezahlt zu haben. Zudem sind sich alle Starken sicher, auch ohne Zukäufe überlebensfähig gewesen zu sein. Ein wesentlicher Zusammenhang war sehr deutlich erkennbar: In der Gruppe der "Starken" lag die Quote rundweg positiver Resümees bei 78 Prozent, bei den "Schwachen" betrug die Erfolgsquote nur 38 Prozent. Unternehmen, die von einer starken Basis aus agieren, haben größere Erfolgsaussichten bei Zukäufen. Unter anderem bewahrt sie ihre starke Verhandlungsposition bewahrt davor, zu hohe Kaufpreise aufzurufen. Der geringe strategische Handlungsdruck setzt sie nicht unter Zugzwang. Vielmehr sehen sich kleinere Wettbewerber im Portfolio großer, akquisitionsstarker Unternehmen gut aufgehoben und lassen sich gegebenenfalls sogar gerne übernehmen.

Immerhin ein Drittel der Befragten gab an, dass rechtliche Unsicherheiten schon einmal als "Dealbreaker" wirkten. Peter Erbacher, Partner bei Linklaters Oppenhoff & Rädler, verweist aber auch auf die Chancen, die eine genaue Due Diligence birgt: "Die gewonnenen Erkenntnisse lassen sich häufig am Verhandlungstisch ganz konkret umsetzen." Die rechtliche und steuerliche Strukturierung, so der M&A-Anwalt, habe gerade bei den Immobilientransaktionen der jüngeren Vergangenheit eine entscheidende Rolle gespielt.

"Unternehmen, die erfolgreich Unternehmensübernahmen durchführen, haben Akquisitionen als Instrument der strategischen Unternehmensführung erkannt", ist sich Thomas Ehren, Managing Partner im Bereich Advisory von KPMG, sicher. "Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Verhandlungsposition durch eine klar definierte M&A Strategie deutlich gestärkt wird, bei der der Käufer genau weiß, wie er sein Unternehmen durch Zukäufe erweitern möchte."

Dr. Stefan Krümmer, Deutschlandchef des Private-Equity-Hauses 3i, sieht in der Bestandsaufnahme auch eine Aufgabe für Finanzinvestoren: "Wir begleiten sehr gern offensive Wachstumspläne gesunder Unternehmen. Wo vor vier oder fünf Jahren noch der Börsengang das Geld für entsprechende Wachstumsprojekte beschaffen konnte, steht heute vielfach nur noch Private Equity parat." Insbesondere beim nächsten Schritt, dem Wachstum vom European zum Global Player, werde die Kapitaldecke manches Mittelständlers dünn: "Wer hier nicht zu lange warten will, mit dem arbeiten wir gern zusammen."

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