Industriespionage: Die unterschätzte Gefahr

Wirtschaftskriminalität hat viele Facetten. Eine davon ist die Industriespionage, um Know-how zu erlangen und Produktplagiate zu erstellen. Besonders mittelständische Unternehmen sind von den Schäden betroffen.

Sie horchen Mitarbeiter aus, stehlen Informationen, starten Hackerangriffe - in der Wirtschaft sind derartige Delikte viel zu häufig, um als abenteuerliche Ausnahmen abgetan zu werden. Jedes fünfte Unternehmen in Deutschland ist von Spionage betroffen, berichtet die Arbeitsgemeinschaft für Sicherheit der Wirtschaft (ASW). Die Dunkelziffer liege noch deutlich höher, so der Verband, der sich als „Zentralorganisation der Wirtschaft in Sicherheitsfragen" versteht.

Schäden in Milliardenhöhe
Worum geht es? Zu unterscheiden sind Wirtschafts- und Konkurrenzspionage. Wirtschaftsspionage im Sinne des Verfassungsschutzes meint das von ausländischen Nachrichtendiensten gelenkte oder gestützte Ausspähen von Unternehmen. Konkurrenzspionage umfasst alle illegalen Formen des Ausforschens eines Wettbewerbers, ohne dass ein Nachrichtendienst daran beteiligt ist.

Auf 20 Milliarden Euro schätzt die ASW den Schaden, der deutschen Unternehmen 2007 durch Wirtschaftsspionage entstanden ist. Für 2008 geht der Verband sogar von 30 Milliarden Euro Schaden aus. Noch größer ist das Ausmaß, bezieht man indirekte Schäden mit ein - wie den Imageverlust eines Unternehmens nach einem publik gewordenen Spionagefall oder gar die Schließung von Unternehmen oder Werksteilen aufgrund billiger Plagiate der eigenen Produkte durch die Konkurrenz.

Durch Konkurrenzspionage entstehen den Unternehmen zusätzlich etwa sieben bis acht Milliarden Euro Schaden. Das berichtet die Fachzeitschrift Security Insight unter Berufung auf Expertenschätzungen.

Besonders betroffen: mittelständische Unternehmen
Mehr als die Hälfte der Schäden durch Spionage geht zulasten der deutschen Mittelständler. Dabei handelt es sich selten um Bagatellen: Fast ein Viertel aller Schadensfälle belaufen sich auf mehr als 100.000 Euro.

„Viele Betriebe haben die Tragweite des Problems noch nicht ausreichend erkannt", berichtet KPMG-Spezialist Rüdiger Birkental aus der Beratungspraxis im Bereich Forensic.

Gefährdet sind insbesondere Branchen wie Automotive und Diversified Industrials. Vertrieb, Forschung und Entwicklung sowie Produktionsverfahren sind erfahrungsgemäß die anfälligsten Unternehmensbereiche für Industriespionage.

Mitarbeiter im Mittelpunkt
Abgesehen haben es Betriebsspione vor allem auf technische Innovationen und das Know-how der Unternehmen. Informationen machen etwa 70 Prozent aller immateriellen Vermögenswerte aus. Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse sind essentielle Grundlage der Wertschöpfung.

Der Verlust wichtiger Informationen stellt daher den größten Schaden für die Unternehmen dar. „Meist bietet aber nicht die IT, sondern der Mitarbeiter die größte Angriffsfläche für das Unternehmensgut Information", stellt Rüdiger Birkental fest. „Ein systematischer Schutz der Information beginnt daher beim Personal."


Zehn goldene Regeln der Prävention - Lesen Sie, welche Maßnahmen unsere Forensic-Spezialisten zum Schutz gegen Industriespionage empfehlen.

 

Ansprechpartner

Rüdiger Birkental

Partner

KPMG
Barbarossaplatz 1a
50674 Köln

T +49 221 2073-1578 | rbirkental@kpmg.com